EYOF 2023: Julia Tannheimer ist Jugend-Olympiasiegerin und die Mixed-Staffel gewinnt Silber

Foto: © eyof2023.it
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Beim 16. European Youth Olympic Festival in Italien standen Sprints, Einzel und Mixed-Staffeln auf dem Programm. Vier Mädchen und vier Jungs waren vom Deutschen Olympischen Sportbund nominiert und im Vordergrund standen nicht Medaillen; die Jugendlichen sollten internationale Erfahrung sammeln. „Es ist natürlich schön, wenn man Medaillen gewinnt und beim Team die Stimmung steigt, aber im Prinzip stand im Vordergrund, dass die Jugendlichen internationale Erfahrung sammeln,“ so Florian Graf, DSV-Nachwuchstrainer der LG IIb.

Sprint Jungs

Beim Sprint der Jungs blieb Noah Schüttler in beiden Schießeinlagen fehlerfrei, konnte aber läuferisch nicht mit der Spitze mithalten und wurde als bester Deutscher Starter 14. David Schmutz kam mit einer Null im Liegen gut ins Rennen, lief eine hervorragende Schlussrunde, aber mit vier Fehlschüssen aus dem stehenden Anschlag musste er sich auch mit der dritten Gesamtlaufzeit mit Rang 20 begnügen. Luc Richter arbeitete liegend fehlerfrei, und belegte nach zwei Strafrunden aus dem Stehendanschlag schließlich Rang 22 und Finn Zurnieden kassierte zwei Runden im liegenden und weitere zwei im stehenden Anschlag und platzierte sich am Ende auf Rang 34.

Der Sieg ging an Pavel Trojer aus Slowenien. Mit der schnellsten Gesamtlaufzeit kompensierte er eine Strafrunde aus dem Stehendschießen und kam mit 21,3 Sek. Vorsprung vor dem fehlerfrei agierenden Polen Jakub Potoniec auf dem Silberrang ins Ziel. Das Podest komplettierte der Franzose Judicael Perrillat Botonet.

Sprint Mädels

Später bei den Mädchen kam Alma Siegismund in aussichtsreicher Position nach fünf Treffern im Liegen zum entscheidenden Schießen. Ein Fehlschuss verhinderte schließlich eine Podestplatzierung und am Ende wurde sie auf Rang fünf beste Deutsche. Julia Tannheimer war in der Loipe Schnellste. Nachdem sie im Liegendanschlag alle fünf Scheiben verfehlte gab sie nicht auf, kassierte stehend eine weitere Strafrunde und platzierte sich schließlich nach hervorragender Laufleistung auf dem zehnten Rang. Sophie Patz verfehlte insgesamt drei Scheiben und kam auf Rang 19, gefolgt von Johanna Lehnung (2 Fehler) auf Rang 20.

Oleksandra Merkushyna aus der Ukraine siegte trotz einer Strafrunde mit 44,2 Sek. Vorsprung vor der fehlerfrei gebliebenen Französin Lola Bugeaud. Bronze gewann die Tschechin Ilona Plechacova mit einer Strafrunde nur 3,1 Sek. dahinter.

Einzel Jungs

David Schmutz wird bester Deutscher im Einzel. Nach zwei fehlerlosen Schießen kamen im dritten Anschlag drei Schüsse nicht ins Ziel. Nach der Null im vierten Schießen platzierte er sich auf Rang 10. Gold ging wie schon im Sprint an den Slowenen Pavel Trojer, der nur eine Scheibe verfehlte. Silber erreichte M. Adamov aus der Slowakei und über Bronze freute sich der Franzose Guillaume Poirot. Finn Zurnieden verfehlte vier Scheiben und platzierte sich als 23. vor Noah Schüttler auf Rang 24 (5 Fehler). Luc Richter kam nach sechs Fehlern auf Rang 26 ins Ziel.

 

Julia Tannheimer ist Jugend-Olympiasiegerin im Einzel

Der 17jährigen Julia Tannheimer vom DAV Ulm gelang im Einzel der große Coup. Mit jeweils einem Fehler aus den beiden ersten Schießen belastet, glänzte Tannheimer mit überragender Laufleistung. Auf der Runde zum dritten Anschlag machte sie Platz für Platz gut und lief bis auf 14,3 Sek. an die bis dahin führende Französin heran. Voldiya Galmace Paulin räumte sauber ab, aber auch Tannheimer hielt sich schadlos und war bei Schießstandausgang nur mehr 6,7 Sek. hinter der Französin. Auf der Runde zum entscheidenden Schießen setzte sich die Deutsche an die Spitze, setzte sich schnell ab und kassierte im entscheidenden Anschlag nochmals eine Strafzeit während die Französin alle fünf Scheiben abräumte und als erste auf die Schlussrunde ging. Eingangs der Schlussrunde lag Tannheimer noch 22,2 Sek. hinter Voldiya  Galmace Paulin, holte Meter um Meter auf, ging auf dem letzten Kilometer an der Französin vorbei und überquerte als Jugendolympiasiegerin im Einzel die Ziellinie. Voldiya Galmace Paulin gewann Silber und Bronze erreichte mit über eine Minute Rückstand Oleksandra Merkushyna aus der Ukraine. Johanna Lehnung lief mit einer Strafzeit belastet auf Rang zehn, Alma Siegismund belegte nach drei Fehlschüssen Rang 12 und Sophie Patz kam auf Rang 20 (4 Fehler) ins Ziel.

„Julia Tannheimer ist gewissermaßen als Favoritin angereist und man hat im ersten Rennen gemerkt, dass sie damit zu kämpfen hat,“ so Florian Graf, „aber umso stärker, dass sie es zwei Tage später ablegen hat können und gewann. Das war eine sehr starke Leistung vom persönlichen her.“

Mixed-Staffel

Mit der Mixed-Staffel fanden die Olympischen Winterspiele der Jugend ihren Abschluss und hier holte sich das deutsche Team mit Alma Siegismund, Julia Tannheimer, Noah Schüttler und David Schmutz die Silbermedaille nur 1,2 Sek. hinter dem Team aus Frankreich. Die Bronzemedaille erreichte Italien mit Fabiola Miraglio Mellano, Carlotta Gautero, Nicola Giordano und Michele Carollo.

Alma Siegismund letzter Schuss verfehlte das Ziel und nach einem Nachlader lief sie mit 17,9 Sek. an fünfter Position aus dem Schießstand, büßte auf der folgenden Runde etwas ein und kam mit 27,6 Sek. Rückstand zum Stehendanschlag. Drei verpasste Scheiben räumte sie schließlich mit ihren drei Nachladern ab, vermied dadurch die Strafrunde und lief mit über einer Minute Rückstand auf Position 7 in die Schlussrunde. In Führung lag Ukraine vor Italien, Tschechien, Schweiz, Österreich und Frankreich.

Für Deutschland war nun Julia Tannheimer im Rennen. Die zweite Läuferin der Ukraine war nicht so laufstark und die Verfolgerinnen holten auf. Nun übernahm Frankreich und Tschechien die Führung und Julia Tannheimer benötigte im Liegendanschlag zwei Nachlader für eine verfehlte Scheibe, kam bis auf 34,3 Sek. an die in Führung liegenden Französin heran. Auf der Runde zum Stehendanschlag holte sie sich erst die Italienerin und später noch die Tschechin. Nach fünf sauberen Treffern im Stehen übernahm Tannheimer mit 40,3 Sek. Vorsprung die Führung vor Italien, Tschechien und Frankreich. Bis zum Wechsel hatte die Deutsche ihre Führung weiter ausgebaut und Noah Schüttler mit komfortablen Vorsprung ins Rennen geschickt.

Liegend arbeitete Noah Schüttler sehr konzentriert, räumte alle Scheiben ab und war mit 55,6 Sek. Vorsprung vor Frankreich wieder zurück in der Spur. Frankreich und Italien haben auf der Runde zum stehenden Anschlag minimal auf Schüttler aufgeholt. Für zwei Fehlschüsse benötigte Schüttler seine drei Nachlader und der Franzose rückte näher heran. Noah Schüttler wechselte auf David Schmutz vor Frankreich und Italien, allerdings war der Vorsprung auf 14,7 Sek. geschmolzen. Nach einem Nachlader im liegenden Anschlag hat sich der Deutsche wieder etwas vom Franzosen abgesetzt, der in der Spur viel Kraft investierte um an die Spitze heranzulaufen. Im entscheidenden Schießen standen der Franzose und der Deutsche nebeneinander, jeder musste drei Mal nachladen, der Franzose agierte etwas schneller und verließ den Schießstand mit 1,8 Sek. Vorsprung vor dem Deutschen. David Schmutz musste den Franzosen insbesondere in den Abfahrten ziehen lassen, kam an den Anstiegen wieder näher heran aber am Ende überquerte der Franzose als Sieger die Ziellinie und Schmutz holte nur 1,2 Sek. dahinter die Silbermedaille. „Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen, es war eine super Sache. Allerdings stand der Medaillengedanke nicht im Vordergrund,“ erklärt Florian Graf. „Wir haben Silber gewonnen und nicht Gold verloren, denn die anderen Nationen waren auch richtig stark. Erste internationale Erfahrungen, angefangen beim Skitest, mit Anschießen und generell die komplette Wettkampfbetreuung, das haben alle super gemacht und deswegen war es für uns ein voller Erfolg. Umso schöner, dass die Medaillen auch noch da sind. Die Mannschaftsleistung hat gepasst und es war für die Jugendlichen ein tolles Event,“ so Florian Graf, der bedauerte, dass die einzelnen Wettkampfstätten zu weit voneinander entfernt waren und dass man von den anderen Sportarten nicht ganz so viel mitbekam.

 

Ilka Schweikl - biathlon-nachwuchs.de