Michael Greis – Nachwuchstrainer beim Biathlonstützpunkt Ostschweiz: „Wir sind auf einem guten Weg“

Michael Greis
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10 Jahre ist es her – da stand Michael Greis am Ende der Biathlon-Saison ganz oben! Er hat den Biathlon- Gesamtweltcup gewonnen und wurde mit der großen Kristallkugel geehrt.

 

Kein deutscher Skijäger konnte sich seitdem mehr in die Liste der Gesamtweltcupsieger eintragen. Mit drei Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen in Turin und der Wahl zum Sportler des Jahres kann die Saison davor als seine erfolgreichste bezeichnet werden. Nach vielen weiteren Podestplatzierungen und mehreren Weltmeistertiteln ist Greis im Dezember 2012 vom aktiven Leistungssport zurückgetreten. Er hat sich seinem Studium „Internationales Management“ an der FH Ansbach gewidmet und im Sommer des vergangenen Jahres seine Bachelorarbeit geschrieben. „Für mich persönlich war es sehr wichtig, das fertig zu machen“, so Michi Greis, den wir am Rande des Alpencups in Obertilliach zu einem Gespräch getroffen haben.

 

Michael Greis
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Nachwuchs-Trainer beim Biathlonstützpunkt Ostschweiz (BSO)

 

Der 40jährige trainiert nun den Biathlon-Nachwuchs für den Biathlonstützpunkt Ostschweiz (BSO) in der Lenzerheide. Für den BSO ist Michael Greis ein „großer Glücksfall“, so bezeichnete es Carola Hartweg bei Eröffnung des Nordic-Houses in der Lenzerheide, und weiter „das Beste ist für unseren Nachwuchs gut genug. Mit Michael Greis haben wir uns einen Trainer an Land geholt, der weiß was Sache ist und der extrem viel Erfahrung mitbringt“. Carola Hartweg ist die Präsidentin des im Dezember 2015 neu gegründeten Vereins; Ivan Lechthaler der technische Leiter. Beide sind sozusagen die Vorgesetzten von Michi Greis.

 

Ziel des Vereins ist es, den jungen Athleten auf sämtlichen Stufen ein optimales Trainingsumfeld zu bieten. Die Sportler sollen schon im Jugend- und Juniorenalter bestmöglich ausgebildet werden. Dies mittels eines ganzheitlichen Biathlon-Trainings, in Zusammenarbeit mit den Clubs und Regionalverbänden. Zusätzlich möchten die Verantwortlichen dem Nachwuchs an den Wettkämpfen eine professionelle Betreuung garantieren, so eine Pressemitteilung des Vereins.

 

Michael Greis
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Manchmal kommt es eben doch anders ...

 

Obwohl Michael Greis noch im Februar 2016 in einem Interview  sagte: „Wo es hingeht, weiß ich nicht - aber Trainer eher nicht“, ist es jetzt genau so gekommen. Seit April 2016 hat er 32 Nachwuchs-Biathleten im Alter zwischen 14 bis 22 Jahren in verschiedenen Trainingsgruppen beim BSO betreut. Schiessausbildung, Technik- und Konditionstraining, gezieltes Komplextraining.

 

Trainings- und Lehrgangseinheiten unter der Woche, aber auch an den Wochenenden. Keine leichte Aufgabe für Greis bei einer durchaus gegebenen Leistungsdifferenz vom Anfänger zu Athleten, die bereits in den Swiss-Ski-Kader selektiert sind.

 

Ein spezielles Fazit kann und will er nach der abgelaufenen Saison noch nicht ziehen, aber „wenn man sieht wo wir herkommen und wo wir jetzt stehen, dann hat sich Einiges getan“, und weiter „ich trainiere mit ihnen und versuche sie individuell weiter zu bringen. Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch einiges zu tun damit wir uns weiterhin entwickeln. Mir ist es wichtig, dass die Athleten Spaß am Sport haben. Wohin die Reise geht, das müssen sie durch ihr Engagement selbst bestimmen. Die Athleten sollen dabei erkennen, dass es sich lohnt ein ambitioniertes Ziel zu verfolgen, für das sie Zeit investieren, um es schließlich auch zu erreichen“ erklärt uns Michi Greis.

 

Michael Greis
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„Wenn schon, dann g´scheit“

 

Nach 19 Jahren und 10 Monaten Dienstzeit ist Michael Greis im August 2016 bei der Bundeswehr ausgeschieden und konnte sich ab dem Zeitpunkt voll seinen Aufgaben beim BSO widmen. Anfangs ist der Nesselwanger noch zwischen Deutschland und der Schweiz gependelt, aber seit Dezember 2016 hat er seinen Hauptwohnsitz in die Lenzerheide verlegt. „Wenn schon, dann g´scheit - und ich fühle mich dort sehr wohl“, betont Michael Greis, der uns auch erklärt, dass sich das schweizerische Lehrgangs- bzw. Trainersystem komplett von dem deutschen unterscheidet.

 

„Das Sportsystem in Deutschland ist sehr gut im Vergleich zur Schweiz. Hier müssen die Athleten alles selbst organisieren. Wenn man in Deutschland einen Kader-Status erhält, dann bekommt man etwas. In der Schweiz wird man zwar auch für einen Kader selektioniert, aber man muss trotzdem einen Jahresbeitrag dafür bezahlen. Sebastian Stalder, der die Gesamtwertung des Alpencups in seiner Altersklasse gewonnen hat, arbeitet Vollzeit wenn keine Lehrgänge sind. Er hat eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht, ist jetzt Geselle und er arbeitet zwei Tage in der Woche um sich seinen Sport finanzieren zu können. An den anderen Tagen trainiert er. Allerdings ist das Gönnertum sehr ausgeprägt - es wird gern etwas für den Nachwuchs gemacht, aber das muss man sich wirklich erst erarbeiten.“

 

Michael Greis
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Übergreifende Zusammenführung

 

Der BSO versucht mit den Verbänden einen Trainingsstützpunkt zu etablieren, an dem die Athleten bessere Trainingsbedingungen vorfinden oder an dem sie Biathlon unter besseren Voraussetzungen erlernen können. Lenzerheide ist das einzige Biathlontrainingszentrum in der Schweiz und die Nachwuchs-Athleten müssen zum Teil lange Anfahrtswege in Kauf nehmen; Zugfahrten von zwei Stunden oder mehr sind keine Seltenheit, aber die Athleten sind hochmotiviert. Sie kommen aus fünf Regionalverbänden, dem Bündner Skiverband (BSV), dem Liechtensteiner Skiverband (LSV), dem Zürcher Skiverband (ZSV), dem Ostschweizer Skiverband (OSSV), dem Skiverband Sarganserland Walensee (SSW) und dem Sportgymnasium Davos.

 

J+S (Jugend + Sport) - das größte Sportförderungsprogramm des Bundes in der Schweiz

 

Im Rahmen dieses Sportförderungsprogramms war Greis zur Weiterbildung „Modul Methodik“ fünf Tage in Andermatt und das fünftägige „Modul Technik“ folgt in den nächsten Tagen. Diese Aus- und Weiterbildung ist für ihn persönlich, aber auch für den BSO sehr wichtig, denn je höher die Qualifikation eines Trainers umso mehr Gelder bekommt der Stützpunkt zur Refinanzierung. Nach der Weiterbildung beim J + S geht es mit seiner Freundin, die übrigens in München wohnt, in einen kurzen Osterurlaub und dann bereits in die Vorbereitung auf die neue Saison.

 

Wir bedanken uns bei Michael Greis für das sehr angenehme Gespräch in lockerer Atmosphäre und wünschen ihm viel Erfolg mit dem schweizerischen Nachwuchs und bei all seinem Tun. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in der nächsten Saison.