Christin Maier – Lena Rießle – Marina Sauter: Drei Nachwuchs-Biathletinnen aus dem Schwarzwald

v. l. Marina Sauter, Christin Maier und Lena Rießle
v. l. Marina Sauter, Christin Maier und Lena Rießle

 

9 junge Damen zählt der C-Kader des Deutschen Skiverbandes. Vier davon kommen vom Landesverband Baden-Württemberg und mit drei von ihnen haben wir uns beim letzten Lehrgang in Ruhpolding zu einem Gespräch getroffen.

 

Die drei – das sind

 

Christin Maier – SC Urach

Lena Rießle  – SZ Breitnau

Marina Sauter  – DAV Ulm.

 

Zu dem Quartett gehört noch Janina Hettich (20, Ski Club Schönwald), die beim Lehrgang in Ruhpolding gesundheitsbedingt pausieren musste. Mit ihr zusammen könnte man sie als baden-württembergisches „Kleeblatt“ bezeichnen.

Steffen Hauswald und Roman Böttcher
Steffen Hauswald und Roman Böttcher

 

Alle vier stammen aus der Talentschmiede von Landestrainer Steffen Hauswald und dem gerade vom DSV zum Trainer des Jahres 2016 ausgezeichneten Stützpunkttrainer Roman Böttcher. Alle vier haben sie die Eliteschule des Sports in Furtwangen besucht und kennen sich seit gefühlten ewigen Zeiten. Das schweißt zusammen. Obwohl sie bei unterschiedlichen Behörden angestellt sind, trainieren sie weiterhin gemeinsam in der Trainingsgruppe von Hauswald und Böttcher im Schwarzwald. Der Trainingsgruppe in Schönwald gehört neben dem einzigen männlichen Kollegen Florian Römer auch noch Anne Herr an.

 

 

Für Janina Hettich und Christin Maier ist es die letzte Saison im C Kader; Lena Rießle und Marina Sauter sind in diesem Jahr neu hinzugekommen. Der Einstieg für die beiden fiel nicht schwer, sie verstehen sich untereinander sehr gut, in Ruhpolding teilen sie sich ein Drei-Bett-Zimmer, „aber auch zwischen den Verbänden findet man sich, auch da verstehen wir uns gut und man hat bei den Lehrgängen die Möglichkeit sich kennen zu lernen, weil man auf engem Raum miteinander lebt“, so Christin Maier.

 

Lena Rießle - Oberhof 2016
Lena Rießle - Oberhof 2016

 

Lena Rießle (19) hat die Schule in Furtwangen im Sommer dieses Jahres nach der 12. Klasse beendet und gehört nun dem Biathlonteam der Bundespolizei an. Bis April ist die Polizeimeister-Anwärterin freigestellt und kann daheim wohnen und trainieren. In den nächsten vier Jahren wird sie jeweils im Frühjahr vier Monate in Bad Endorf ihre Ausbildung machen und gleichzeitig die Fachhochschulreife erlangen.

 

Von ihr wollen wir mehr erfahren, vor allem, wie sie eigentlich zum Biathlon gekommen ist: Sie war ursprünglich Langläuferin, „und da war ich gar nicht so schlecht“, fügt sie an, „aber dann kam eine Phase, da hatte ich einfach keinen Bock mehr und hab ein Jahr lang gar nichts mehr gemacht. Über eine Freundin aus Breitnau, die mich zum Biathlon-Training mitgenommen hat, habe ich auf Anhieb Spaß daran gefunden. Auch mit dem damals verantwortlichen Trainer Andi Gnädinger habe ich mich gut verstanden. Ich war damals richtig traurig, als nach zwei Wochen Training die Saisonpause kam und habe darauf hingefiebert, dass es wieder los geht – ja, seitdem bin ich dabei“, erzählt sie uns.

 

Lena Rießle stammt aus einer sportlichen Familie. Sie hat drei Brüder, „der Älteste hat auch Sport gemacht,“ erzählt sie uns, und dass er aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, der Zweite macht gar keinen Sport, der ist Schlosser, er sticht voll raus, weil er mit Sport gar nichts am Hut hat, und dann halt der Fabi – der hat mich früher auch oft auf die Loipe oder zu den Wettkämpfen mitgenommen“, so Lena Rießle. Fabi das ist der erfolgreiche Nordische Kombinierer Fabian Rießle. Aber sie sieht ihn als Bruder und nicht als „den Fabian Rießle“ und vor allem möchte sie nicht immer als „die Schwester von“ bezeichnet werden. Sie ist Biathletin, eine eigene Persönlichkeit und mit voller Motivation wird sie ihren eigenen Weg gehen. Vergangene Saison wurde sie in ihrer Altersklasse Zweite im Deutschlandpokal und im September war sie bei den Deutschen Meisterschaften in Altenberg und Oberhof am Start. „Es war schon cool bei den Großen zu starten, für mich war es zwar nicht so erfolgreich, aber man lernt daraus und jetzt im Winter zählt es“, so Lena Rießle.

Marina Sauter - Notschrei 2016
Marina Sauter - Notschrei 2016

 

Auch Marina Sauter (19) ist neu im C-Kader, aber den Biathlonfans bereits bestens bekannt. Als beste deutsche Athletin bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2016 in Cheile Gradistei wurde sie Jugend-Weltmeisterin im Einzel und holte sich auch noch Bronze in der Verfolgung. „Ich bin im letzten Jahr zur JWM einfach noch so reingerutscht, ich war auf keinem Lehrgang, nur bei der Vorbereitung“ erzählt sie uns. Danach hat sie sich auf ihr Abitur konzentriert und ihr größter Wunsch war eine Behördenstelle. Aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen hat dieser sich erfüllt: Nun ist sie Mitglied im Zoll-Ski-Team, in Mittenwald stationiert und kann dennoch zu Hause am Stützpunkt Schönwald trainieren.

 

Nach einem Fahrradsturz während eines Lehrgangs Ende Mai in der Toscana hat sie sich an der linken Hand verletzt, ist erst einmal ein paar Wochen komplett ausgefallen und hat seitdem Probleme mit der Hand. Deshalb haben wir sie auch im August beim Lehrgang in Mittenwald nicht angetroffen. „Ich habe ganz viel nur mit einem Stock trainiert und individuelle Sachen gemacht“, erzählt sie uns, beim Rollern, beim Stockeinsatz da hab ich halt immer Schmerzen und irgendwann ist man schon frustriert, wenn nichts vorwärts geht. Es ist einfach noch nicht verheilt und die Ärzte haben mir gesagt, dass es lange dauern kann, aber keiner weiß, wie lange.“ Wichtig für Marina Sauter ist jetzt, dass sie endlich schmerzfrei und komplett belastbar ins Training gehen kann und natürlich von weiteren Verletzungen verschont bleibt. Im Winter möchte sie in ihrem ersten Profijahr einfach gute Leistungen bringen.

Christin Maier - Notschrei 2016
Christin Maier - Notschrei 2016

 

Die dritte im Bunde ist Christin Maier (20). Sie ist Hauptgefreite bei der Bundeswehr und in Todtnau stationiert. Sie wohnt noch zu Hause und weiß das durchaus zu schätzen: „Ich habe den Luxus daheim wohnen zu können“, sagt sie uns, denn das ist quasi um die Ecke des Internats, des Stützpunktes und der Biathlonanlage.

 

Auch sie war in Mittenwald nicht dabei. Durch eine zwar abgeklungene Darmentzündung war in ihrem Leistungsvermögen durch den krankheitsbedingten Trainingsrückstand noch keine Konstanz „und wenn ich zum Lehrgang gehe, dann möchte ich fit sein, denn man kommt sich dann ein bißchen blöd vor, wenn man nicht alles mitmachen kann“, erklärt Christin Maier.

 

Für Christin Maier ist die abgelaufene Saison super gelaufen und natürlich würde sie am Ende der Saison gern den Sprung in den B Kader schaffen. Wenn ihr ähnliche Ergebnisse wie 2015/2016 gelingen, dann kann es klappen. Bei der Junioren-Europameisterschaft in Pokljuka holte sie sich Silber im Einzel mit vier fehlerfreien Schießeinlagen. Nach dieser Treffsicherheit gefragt sagt sie „das war das allererste Mal im Wettkampf und da war ich eigentlich auch selbst überrascht, das hat mich richtig motiviert, und, ja, wenn man ein Rennen hat das gut läuft, dann ist man besser drin, dann ist man lockerer, dann läufts auch leichter“. Und so kam es, dass sie das perfekte Schießergebnis wiederholte und sich im Sprint Bronze holte. Eine weitere Bronzemedaille gelang ihr in der Verfolgung und in dem erstmals ausgetragenen IBU-Junior Cup belegte sie in der Gesamtwertung den respektablen 3. Platz.

 

In der kommenden Saison will sie auf jeden Fall erneut die Qualifikation zur Junioren-Weltmeisterschaft schaffen, „das ist ja in Deutschland auch nicht so leicht, weil es viele gute Athleten gibt“, so Christin Maier. Sie und Marina Sauter konnten in der vergangenen Saison bereits wertvolle internationale Erfahrungen sammeln und finden insbesondere den von der Internationalen Biathlon-Union installierten IBU Junior Cup vom Prinzip her gut. Man ist schon etwas beruhigter, wenn man zur Junioren-Weltmeisterschaft (JWM) fährt, das Procedere sowie das Starterfeld schon kennt und nicht erst bei der JWM die ersten internationalen Wettkämpfe läuft.

 

 

Wer letztendlich bei der JWM an den Start gehen darf, wird sich bei den Qualifikationswettkämpfen ergeben. Diese finden im Januar im Rahmen des Deutschlandpokals in Altenberg (13.1.-15.1.2017) und in Kaltenbrunn (27.1.-29.1.2017) statt.

 

Biathlon-Nachwuchs bedankt sich bei den drei jungen Damen für das angenehme Gespräch nach einem anstrengenden Lehrgangstag und wünscht jeder von ihnen, dass sie von Verletzungen verschont bleibt und gesund und erfolgreich in die neue Saison kommt.

 

Ilka Schweikl - biathlon-nachwiuchs.de